256. Newsletter - sicherheitskultur.at - x. November 2026

von Philipp Schaumann

Letzte Ergänzungen 01.11.2026

Themen-Überblick aller Newsletter

 

Hier die aktuellen Meldungen:

1. Circular Economy, die AI-Blase

In diesem Beitrag geht es (schon wieder) um die gigantischen Investitionen für die generative AI, Größenordnungen größer und kühner als alle früheren Technologiesprünge. Es geht es um die "kreativen Finanzierungen" der gigantischen Investitionen in die AI-Rechenzentren, hier der vorige Beitrag zu der "Finanzakrobatik": Die Finanzierung der AI-Infrastruktur. Hier ist jetzt ein Artikel, der die Geldflüsse sehr gut erklärt: ↑(opens in a new tab)Wie sich die KI-Konzerne gegenseitig Milliarden zuschieben. Als Stichworte hier einige der Überschriften:

  • Nvidia als Lieferant, Gesellschafter und Garantiegeber
  • Oracle und Coreweave: Aufträge gegen Schulden
  • AMD und Broadcom helfen beim Bezahlen ihrer eigenen Chips
  • Das Ganze ist ein Tanz auf ganz dünnem Eis - so lange es gut geht, faszinierend anzuschauen. Wichtig für den Erfolg der Investitionen in generative AI sind nur die Gelder, die von außen in dieses Geflecht von miteinander verflochtenen Firmen gezahlt wird, von wirklich zahlenden Kunden von außerhalb dieser verflochtenen Firmen. Aber solche Einnahmen konzentrieren sich auf Nischen wie Vibe Coding, Deepfake Nudification und AI-Compagnions, dazu die vielen ChatGPT- und Genesys-Nutzer die generative AI kostenlos für Suchanfragen verwenden oder zum Formulieren ihrer Emails oder Memos. Das wird nicht ausreichen.

    Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman wagt eine Prognose: ↑(opens in a new tab)Die Bubble wird platzen - und diese Prognose begründet er auch ausführlich. Hier ist die kurze Zusammenfassung: Das Geld für die riesigen Investitionen (viel viel größer als alle früheren 'revolutionären" Technologien) wird bald nicht mehr vorhanden sein, denn die Einnahmen der investierenden Firmen reichen nicht für die geplanten Ausgaben.

    Bis vor kurzem konnten Google, Amazon, Meta ihre Investitionen einfach aus den laufenden Einnahmen finanzieren, das ist aber schon eine Weile nicht mehr möglich. Es fehlen tragbare Geschäftsmodelle die nur auf großen High-End Systemen der US-Anbieter und den gigantischen Rechenzentren laufen und nicht auch mit kleineren, selbst-gehosteten Open Weight-Modellen aus China funktionieren. Die Finanzfirmen, die das Geld zur Verfügung stellen sollen, bekommen kalte Füße und verlangen immer höhere Zinsen.

    Das zweite Problem, das Krugman sieht, ist der wachsende Widerstand aus der Bevölkerung gegen die riesigen, umweltschädlichen Data Center. Menschen haben Angst um ihre Umwelt und auch um die eigene Stromversorgung.

    Google (dh Alphabet), Amazon und Meta veröffentlichen ihre Quartalszahlen, es sieht nicht gut aus.

  • Meta hat Investitionspläne in Höhe von 95 Milliarden, dafür sind Aktien-Neu-Emissionen geplant.
  • Amazon investiert kräftig: ↑(opens in a new tab)AI-Kosten brennen Milliardenloch in Amazon-Bilanz. Überraschend hohe Kosten für den Bau neuer AI-Rechenzentren belasten die Bilanz.
  • ↑(opens in a new tab)Alphabets Börsenwert sinkt um halbe Billion Dollar. Alphabet investiert viel in AI und "verwässert" nun seine Aktien durch Neu-Emissionen, die Aktie rutscht um 12%.
  • Für Google sieht es aber andererseits auch gar nicht schlecht aus: ↑(opens in a new tab)AI schadet erstmals Googles Werbegeschäft, der wahre Verlierer ist aber das offene Web.

     

    2. "Technische Schulden"

    ↑(opens in a new tab)"Technische Schulden" [wiki] ist in der IT ein Fachbegriff, der beschreibt, dass Programmierfehler, die durch schnelle Entwicklung ohne ausgiebiges Testen auf Schwachstellen entstehen, sich zu einer erheblichen Altlast aufsummieren können. Ein Beispiel ist das 20 Jahre alte PHP-Problem, ausführlich in der vorigen Ausgabe besprochen.

    Aber es geht immer weiter: ↑(opens in a new tab)Erneut kritischer Bug in Linux TCP/IP aufgedeckt – Updates in Arbeit. Das Problem wird sogar noch höher eingestuft als das PHP-Problem, nämlich CVSS 9,8 von 10 (PHP hatte "nur" 9,2). Dieses Problem ist 11 Jahre alt, wurde nun mit AI-Hilfe gefunden und wird behoben. Wieder haben wir die Problematik, dass die Behebung "im Feld", dh auf Millionen von Servern im Internet, nur teilweise gelingen wird und dadurch eine noch größere Zahl von Servern für "böse Intentionen" bereit steht.

    Das nächste Problem wird hier beschrieben: ↑(opens in a new tab)Brotli-Sicherheitslücke CVE-2026-111497: Risiken und Updates. Wieder eine kleine Programmbibliothek, 10 Jahre alt, die in vielen anderen Programmen eingebunden ist, Kritikalität ist 9,2 von 10. Und so wird es noch einige Jahre (Jahrzehnte?) weitergehen, immer bleibt ein erheblicher Teil der Server im Internet verwundbar zurück.

    Eine weitere welt-weite Verwundbarkeit in Servern wurde in PXE gefunden (↑(opens in a new tab)Preboot eXecution Environment [wiki]). Das ist ein Programm, dass es Servern erlaubt, über ein Netzwerk zu starten (und nicht von einer lokalen Festplatte - die Wikipedia illustriert die Nutzung). PXE bringt bei Serverfarmen mit tausenden Servern eine große Erleichterung, neue Versionen müssen nur auf einer Festplatte aktualisiert werden. Problematisch wird es, wenn in dieser Software ein Fehler ist, der es erlaubt, die Server über das Internet zu übernehmen. ↑(opens in a new tab)Kritische Firmware-Lücke gefährdet fast alle Server weltweit. Die Lücke blieb 16 Jahre unbemerkt und wurde jetzt durch ein Versehen verfrüht öffentlicht und nun angegriffen, Kritikalität ist 9,5 von 10.

    Gemeinsam ist allen diesen Problemen, dass die Verwundbarkeiten bei sub-optimaler Konfiguration der Server auch über das Internet ausgenutzt werden können (so wie zB die Kühlregale in Frankreich vor einigen Wochen und die Kühlregale in schwedischen, belgischen und luxemburgischen Supermärkten akutell im November).

    Die nächsten Jahre werden wohl für Server-Administratoren aufregend und arbeits-intensiv werden, viele überraschende Nachtschichten.

     

    3. UESCHRIFT

     

    4. UESCHRIFT

     

    5. UESCHRIFT

     

    6. Ergänzungen früherer Beiträge

    AI stiehlt Comedy-Sets

    Ergänzt bei AI und Urheberrechte nun der Diebstahl von Comedy-Auftritten durch AI-Systeme, sie übernehmen den Text und versuchen, auch die Mimik zu reproduzieren. Ziel ist wohl die bezahlte Werbung auf Social Media, AI-Comedian fordern keine Tantiemen.

     

    Rekorde

    Nordkorea entwendet 6 Milliarden US$

    Dn Staatshackern aus Nordkorea gelingt ein Rekord nach dem anderen. 2025 hatte der Diebstahl bei Kryptobörse Bybit eine Beute von mehr als zwei Milliarden ermöglicht. Nun kommt der nächste Rekord: ↑(opens in a new tab)Neuer größter Diebstahl: Über 6 Milliarden US$ bei Binance abgegriffen. Es gelang wohl, 2,5 Milliarden schnell genug einzufrieren. Dass die Täter in Nordkorea sitzen ist (noch) nicht bewiesen, aber recht wahrscheinlich. Hier viel mehr Details dazu unter Kryptokriminalität und Kryptoforensik.

    Rekord-Wahlkampfspenden der Tech-Milliarde

    In den USA war jeder Wahlkampf in den letzten Jahren größer als alle vorher, auch diesmal erreichen die Wahlkampfspenden der Tech-Milliardäre neue Rekordhöhen. Viel Geld fließt auch in den Versuch einer einmaligen Vermögensbesteuerung der ca. 200 Milliardäre in Kalifornien.

     

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    Govcamp 2026 in Wien - 16. November 202

    Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein govcamp in Wien - ich bin als Chaos Computer Club-Mitglied Teil der Veranstalter. Das Motto ist: "Wie schnell ist zu schnell? - Digitale Spannungsfelder zwischen Geschwindigkeit, Souveränität, Zuverlässigkeit und Transparenz". Datum: 16. November 2026 Nachmittags.

    Die Veranstaltung findet im ↑(opens in a new tab)Barcamp-Format [wiki] statt, dh die Veranstalter stellen das Motto und die Räume, die Teilnehmer:innen schlagen Themen vor, die dann in Arbeitsgruppen 45 Min. lang diskutiert werden. Im Plenum wird am Ende eine Zusammenfassung präsentiert. Details hier: ↑(opens in a new tab)govcamp 2026 in Wien.

     

    Kostenlos: ÖIAT-Online-Seminare

    Kostenlose Online-Seminare organisiert das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (↑(opens in a new tab)ÖIAT). Hier die kommenden Termine und Themen - alle diese Schulungen sind empfehlenswert.

    Die Termine und Themen der neuen Online-Kurse: (zumeist abends, manchmal auch nachmittags oder morgens)

  • 03. Nov. | Webinar: Männersache – Frauensache: Vorurteile in digitalen Medien
  • 09. Nov. | Webinar: Über Pornografie reden
  • 10. Nov. | KI und Online-Shopping: Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen für den Konsumentenschutz
  • 10. Nov. | Webinar: Cybermobbing: Erkennen, handeln, unterstützen
  • 11. Nov. | Webinar: Digitale Aspekte in Kinderschutzkonzepten
  • 11. Nov. | Webinar: Wie erkenne ich betrügerische Werbung in sozialen Netzwerken?
  • 17. Nov. | Webinar: Medienkompetenz – was ist das eigentlich?
  • 24. Nov. | Webinar: Gesundheit im Netz: Unrealistische Wirkversprechen entlarven
  • 01. Dez. | Webinar: Sicheres Online-Shopping
  • 03. Dez. | Webinar: Rechtliche Fragen und Antworten zu Cybergewalt an Minderjährigen
  • 15. Dez. | Webinar: Täuschend echt - Deepfakes und KI Im Kontext sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
  • Anmeldung auf ↑(opens in a new tab)academy.oiat.at - der Zoom-Link kommt dann per Email - wie gesagt: m.E. sehr empfehlenswert.