235. Newsletter - sicherheitskultur.at - 17. Februar 2026
von Philipp Schaumann
Letzte Ergänzungen 29.04.2026
Themen-Überblick aller Newsletter
Hier die aktuellen Meldungen:
1. "Who's Who" der Tech-Oligarchen
Der eine oder die andere hat vermutlich längst ganz leicht den Überblick über die Phalanx der Tech-Oligarchen verloren, die mehr oder weniger begeistert Trump "umschwänzeln" und sich einzuschmeicheln versuchen.
Ob sie das aus politischer Überzeugung tun oder im finanziellen Interesse ihrer Firmen (und damit auch des eigenen Vermögens), ist uninteressant. Sie helfen mit jeder ihrer Trump-, bzw MAGA-freundlichen Firmen-Entscheidungen mit, die Demokratie ein kleines bisschen weiter zu schwächen.
Wer ist Chef von welchem Tech-Konzern, wer schleimt sich besonders ein und wer hält sich eher im Hintergrund? Ich bringe hier meine persönlichen Einschätzungen, dort wo sinnvoll mit Verlinkung auf Belege (oder die Wikipedia).
Das Umgarnen von Trump durch die Chefs der großen US-Konzerne erinnert mich an die Unterstützung von Teilen der deutschen Industrie für Hitler rund um seine ↑(opens in a new tab)Ernennung zum Reichskanzler 1933 [wiki, Hitler's rise to power).
Ein aktueller ↑(opens in a new tab)Digital Humanity-Vortrag mit Dario Guarascio behandelt die aktuellen Verknüpfungen zwischen der Tech-Firmen (in den USA, aber auch in China) und dem Militär: ↑(opens in a new tab)"The Military-Digital Complex: Digital Technologies and the New World (dis)Order” ("überall ist jetzt AI drin").
In einem früheren Newsletter hatte ich ganz viel zu den Ideologien, denen viele der Tech-Brother (und Vordenker im Silicon Valley) anhängen: Transhumanismus und andere bizarre Ideen im Silicon Valley. Dazu gehören auch ewiges Leben und Longtermismus/Kosmismus, zB Besiedelung des Weltalls statt Rettung des Klimas der Erde. An anderer Stelle berichte ich, was das mit Machiavelli und seinem Fürsten zu tun hat.
Der US-Council of Advisors on Science and Technology und das National Science Board
Noch eine Ergänzung: Ende März hat Trump den PCAST = ↑(opens in a new tab)Council of Advisors on Science and Technology [wiki] neu besetzt (Rat für Wissenschaft und Technologie). Im Gegensatz zu früheren Präsidenten spielt bei Trump die Wissenschaft eine deutlich untergeordnete Rolle, die Hauptrolle spielen seine Freunde, die Tech-Oligarchen. Trump ernennt 13 Mitglieder im Rat für Wissenschaft und Technologie, nur einer davon ist "reiner" Wissenschaftler, die anderen sind Tech-Oligarchen oder Investoren.
Die aktuellen Mitglieder sind: Meta-Chef Mark Zuckerberg, Oracle-Verwaltungsratschef Larry Ellison, Google-Mitgründer ↑(opens in a new tab)Sergey Brin [wiki], ↑(opens in a new tab)Jensen Huang [wiki] (Nvidia), ↑(opens in a new tab)Michael Dell [wiki] (Dell Technologies) und ↑(opens in a new tab)AMD [wiki] Chefin ↑(opens in a new tab)Lisa Su [wiki] (WOW!! eine Frau!! Wie konnte das passieren, wird der Präsident nun woke? 😆 Und sie hat einen PhD in electrical engineering, also ist doch Wissenschaft verteten). Zusammen verfügen diese Personen – darunter mindestens 9 Milliardäre – über ein geschätztes Vermögen von mehr als 900 Milliarden US-Dollar.
Dann kommen 2 Wissenschaftler (die aber auch Firmengründer sind): Jacob DeWitte - PhD in nuclear engineering, Gründe des Kernenergie-Startups ↑(opens in a new tab)Oklo [wiki], Bob Mumgaard, Ph.D applied plasma physics, Chef des Kernenergie-Startups ↑(opens in a new tab)Commonwealth Fusion Systems [wiki].
Der einzige "fast reine" Vertreter der universitären Forschung ist Quantenphysiker ↑(opens in a new tab)John Martinis [wiki] von der University of California in Santa Barbara (UCSB), Nobelpreis für Physik im vergangenen Jahr. Streng genommen ist aber auch Martinis vor kurzem auf die Tech-Seite gewechselt, da er aktuell für Quantencomputer-Start-up ↑(opens in a new tab)Qolab arbeitet und an der UCSB emeritiert wurde.
Geleitet wird der Rat von zwei zentralen Figuren der Trump-Regierung: dem Investor ↑(opens in a new tab)David Sacks [wiki], der als Berater für Künstliche Intelligenz fungiert, sowie ↑(opens in a new tab)Michael Kratsios [wiki], dem Leiter des Office of Science and Technology Policy.
Ein Blick auf frühere Regierungen zeigt deutliche Unterschiede. Während Trumps erstes PCAST-Gremium bereits stärker industrieorientiert war, bestand unter Präsident Joe Biden eine klare Mehrheit aus akademisch Forschenden. Seit 2001 enthielten alle PCAST-Gremien – mit Ausnahme jener unter Trump – mindestens zehn Mitglieder aus der Wissenschaft.
Die Zusammensetzung errinnert stark an das von Trump ernannte US-Government's AI Safety and Security Board.
Ergänzung April 2026:
Trump feuert sämtliche 24 Mitglieder des ↑(opens in a new tab)National Science Board per knapper E-Mail ihre Posten – ohne Begründung und mit sofortiger Wirkung. Das forschungspolitische Gremium berät die ↑(opens in a new tab)NSF [wiki], eine der weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Förderagenturen, deren Mittel Trump um die Hälfte kürzen will. Die Wiki zum ↑(opens in a new tab)National Science Board.
Nun beginne ich meinen Überblick mit den "Tech-Oligarchen".
Jeff Bezos
↑(opens in a new tab)Jeff Bezos [wiki] ist der Gründer von Amazon, das sich vom ersten großen Online-Buchhändler zur im "Westen" dominierenden Online-Händler-Plattform für eigentlich fast alles entwickelt hat. 2000 gründet Bezos das Weltraum-Unternehmen ↑(opens in a new tab)Blue Origin (das nicht mit den Erfolgen von SpaceX konkurrieren kann). Ein ganz wichtiger Geschäftszweig von Amazon sind mittlerweile die IT-Cloud Dienste, erbracht von der Tocherfirma ↑(opens in a new tab)AWS [wiki], dem derzeit führenden Cloud-Anbieter (Amazon Web Services (31 %), Microsoft Azure (25 %) und Google Cloud Platform (10 %)).
Derzeit setzt er sein Geld stark für "Trump-Themen" ein: Er ist Käufer, Umgestalter und ↑(opens in a new tab)"Todesengel" der Washington Post. Mit seinen Milliarden hätte er die Zeitung auch einfach "sponsern" oder 'anders sanieren' können. Atlantic schreibt: ↑(opens in a new tab)The Murder of The Washington Post.
Dafür hat Amazon auf Wunsch von Trump den ↑(opens in a new tab)Film "Melania" mit 40 Mio. gesponsert (was unter Tech-Oligarchen keine ernsthafte Summe ist, aber evt. der Washington Post erheblich geholfen hätte - aber Bezos muss Prioritäten setzen).
Mark Zuckerberg
↑(opens in a new tab)Mark Zuckerberg [wiki], Gründer von Facebook, Umgestalter von Facebook vom Social Network (Kontakt mit Freunden zu "Social Media"-Berieselung mit 'Inhalten'), Käufer von Instagram, das von Beginn an auf Berieselung programmiert war, Betreiber von WhatsApp und ↑(opens in a new tab)Threads [wiki] (erfolgloser Twitter-Ersatz). Viele Milliarden wurden in das Metaverse-Projekt versenkt, das 2026 quasi eingestellt wird.
Zuckerberg galt mal als 'eher progressiv', ihm war von Trump Gefängnis angedroht worden, nachdem Trump nach dem ↑(opens in a new tab)Kapitolsturm [wiki] auf Facebook gesperrt wurde (was zur Gründung von Trumps eigenem Social Media ↑(opens in a new tab)Truth Social [wiki] führte). Diesen "strategischen Fehler" versucht Zuckerberg wohl nun wieder gut zu machen, indem er bei jedem Trump-Event dabei ist.
Dass Zuckerberg nicht zu den Guten gehört, demonstriert er immer wieder: Meta verdient angeblich (durch Werbung) riesig an den Scam-Lagern mit Zwangsarbeit. Darauf aufmerksam gemacht hat er das nicht stoppen lassen, sondern die Preise für diese Werbung für Scams erhöht.
Und dass die Algorithmen von Instagram die Kinder süchtig machen, sieht er nicht als Problem, sondern als gewollte Funktionalität.
Satya Nadella
↑(opens in a new tab)Satya Nadella [wiki], seit 2014 Chef von Microsoft. Microsoft hat, mit MS Windows und MS Office, im Firmen-Umfeld eine Quasi-Dominanz bei Desktops und Laptops. Mit der Azure-Cloud (25 % Marktanteil) spielt Microsoft auch bei Cloud-Lösungen für Firmen eine wichtige Rolle.
Ich habe den Eindruck, Nadella läuft wohl eher unlustig bei den Trump-Fans mit, traut sich wohl nicht, sich da vollständig rauszuhalten. Immerhin lebt Microsoft zu einem großen Teil auch von Staatsaufträgen. Er passt wohl auch mit seiner Herkunft (geboren in Hyderabad, Indien) nicht so ganz zu MAGA.
Sundar Pichai
Auch ↑(opens in a new tab)Sundar Pichai [wiki] passt nicht so richtig zwischen die MAGA-Fans (geboren in Madurai, Tamil Nadu, Indien). Er ist der aktuelle Chef von ↑(opens in a new tab)Alphabet [wiki] (der "Mutterfirma" von Google, Youtube und vielen anderen, gegründet als Google-Suchmaschine von Sergey Brin und Larry Page).
Google hat immer noch ein Quasi-Monopol bei der Internetsuche, hat die mittlerweile bestgereite generative AI ↑(opens in a new tab)Gemini [wiki] (integriert in die Google-Suche) und mit ↑(opens in a new tab)DoubleClick [wiki] hat Google ein Quasi-Monopol für Internetwerbung.
Pichai ist Chef über die Entwicklung von Android, Chrome und indirekt auch ↑(opens in a new tab)Deepmind. Deepmind in London ist eines der führenden Unternehmen bei 'nicht-sprach'-AI: Dominanz bei Schach, Go und anderen Spielen und Chemie-Nobelpreis für die Entwickler von ↑(opens in a new tab)Alphafold [wiki] für das Vorhersagen der Faltungen von Proteinen.
Zu Google gehören auch ↑(opens in a new tab)Waymo [wiki], eines der ursprünglichen Initiatoren von selbstfahrenden Autos und noch eine ↑(opens in a new tab)längere Liste von weiteren Tochter-Firmen [wiki].
Auch Pichai versucht wohl, ähnlich wie Nadella, sich aus der Politik herauszuhalten. Das ist aber bei einer derartigen Größe und Relevanz des Unternehmens nicht wirklich möglich, dh auch er muss auf großen Trump-Events erscheinen.
Tim Cook
Auch bei ↑(opens in a new tab)Tim Cook [wiki], dem CEO von Apple, habe ich den Eindruck, dass er sich gern aus der Politik raushalten würde. Aber das geht bei Trump wohl nicht so einfach.
Die hohen Zölle auf Geräte, die in China produziert werden, hätten Apple sehr geschadet, aber nach einigen Auftritten zusammen mit den anderen Tech-Brothers und Geldspenden wurden diese Zölle wieder zurück genommen - die Drohung schwebt allerdings immer noch über Cook und Apple.
Nun wird berichtet, dass firmen-intern auch viele Mitarbeiter Cook "Stress machen" ↑(opens in a new tab)„Niemand sollte sich so fühlen“: Apple-CEO will Mitarbeitern ohne US-Pass helfen. Cook erklärte dann, er werde bei der US-Regierung und den Abgeordneten auch weiterhin für Einwanderer lobbyieren.
Ergänzung April 2026:
Tim Cook tritt zurück, sein Nachfolger ist ↑(opens in a new tab)John Ternus [wiki]. ↑(opens in a new tab)Tim Cooks Nachfolger: Wer ist eigentlich John Ternus? Noch ein Bericht: ↑(opens in a new tab)Neuer Apple Chef will "die Welt verändern" und kündigt zehn neue Produkte an.
Elon Musk
↑(opens in a new tab)Elon Musk [wiki] (geboren in Südafrika, Anfangs illegaler Migrant in den USA, aber das scheint ihn nicht zu stören) ist ein begeisterter MAGA-Fan, sein Verhältnis zu Trump reicht von "ganz eng" bis "complicated".
Er war schon oft Thema in meinem Newsletter, zB als er, verdienterweise Worst Tech Person 2025 wurde, obwohl Peter Thiel eine starke Konkurrenz ist.
Reich wurde Musk wohl vor allem durch eine glückliche Investition seiner Erbschaft 1999 in ↑(opens in a new tab)X.com [wiki], das 2000 zusammen mit einem anderen Startup (gegründet von Peter Thiel und anderen) zu ↑(opens in a new tab)Paypal [wiki] wurde. Dann gründete Musk Tesla und SpaceX.
↑(opens in a new tab)SpaceX [wiki], mit der wiederverwendbaren Falcon 9 Rakete, wurde ein technologischer Durchbruch und scheffelt Geld für Musk. Auch ↑(opens in a new tab)Starlink [wiki] ist ein technischer Erfolg, das Großraketenprojekt ↑(opens in a new tab)Starship bisher aber nicht.
Berühmt ist Musk für ↑(opens in a new tab)großmaulige Versprechen zu bald realisierten technischen Erfolgen, aus denen dann zumeist nichts wird (zB sicheres autonomes Fahren verkündete er seit ↑(opens in a new tab)spätestens 2017 [wiki] für jeweils nächstes Jahr).
Der Kauf von Twitter 2023, das ↑(opens in a new tab)Entlassen des Großteils der Angestellten, Umbennenen in X und strenge Ausrichtung auf rechte / Trumpsche Politik war kein finanzieller Erfolg, aber darum ging es wohl auch nicht. Oder mit den Worten von ↑(opens in a new tab)Ingrid Brodnig: "Elon Musk hat Twitter übernommen, gegen die Wand gefahren und zu einem brutalen Ort gemacht."
Auf jeden Fall hat er sich damit bei Trump beliebt gemacht und wurde zeitweise als Quasi-Regierungsmitglied gesehen. Dadurch hat er allerdings die Tesla-Kundschaft verloren (denn die Zahl der Trump-Anhänger, die ein umweltfreundliches Fahrzeug suchen, ist begrenzt). Dafür sieht er nun Teslas-Zukunft (nachdem er nun Tesla wohl mental 'abgeschrieben' hat) in humanoiden Robotern (als einer der wenigen im Technologie-Umfeld). Ein weiteres unsägliches Kapitel bei Musk ist die generative AI Grok (über die hier leider schon viel berichtet werden musste), die sich mit vielen unsäglichen Äußerungen (zB MechaHitler) und dem massenhaften Generieren von Nacktbildern extrem negativ profiliert hat.
Ergänzung April 2026:
Das oben rechts dargestellte Buch: "Muskismus - Aufstieg und Herrschaft eines Technokings" analysiert das, was die Autoren „Muskismus“ nennen. Die Einschätzung der Autoren: Dem Tech-Milliardär geht es nicht um Geld. Er will der Welt ein neues Betriebssystem nach seiner eigenen Philosophie verpassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Tech-Bros will er den Staat nicht abschaffen, sondern mit Hilfe seiner Technologien effizient machen. Teilweise gelingt dies auch recht gut: Er hat zB die Raumfahrt durch seine wiederverwendbaren Raketen kräftig umgekrempelt. Und mit seinem Starlink-System hat er extremen Einfluss auf den ukrainischen Erfolg bei der Verteidigung. „Er hält die Staaten in Geiselhaft“, sagen die Autoren. Ein Interview mit den Autoren im Falter: ↑(opens in a new tab)So funktioniert Elon Musks Machtprinzip: „Er hält die Staaten in Geiselhaft“ (nur mit Probe-Abo).
Fast schon wieder amüsant: Musk und Altman streiten sich vor einem Geschworenen-Gericht. Geschworene sollten, optimalerweise, vor Beginn des Prozesses noch keine Meinung über die betroffenen Personen haben, damit sie objektiv auf der Basis der vorgebrachten Argumente urteilen können. Aber: ↑(opens in a new tab)Gericht hat Schwierigkeiten, Juroren zu finden, die Elon Musk nicht hassen. Auch Armin Thurner kommentiert diesen Streit "Satan vs. Beelzebub": ↑(opens in a new tab)Musk vs. Altman – ein bizarrer Rechtsstreit aus Spätamerika.
Peter Thiel
Über ↑(opens in a new tab)Peter Thiel habe ich schon einiges berichtet. Dass er ein Freund von Demokratie sei, kann man ihm nicht unterstellen, er lehnt das Konzept von Demokratie vehement ab: ↑(opens in a new tab)Die unheimliche Weltanschauung des Superreichen Peter Thiel. Zitat: "Seine Überzeugungen gehen über die üblichen Definitionen von religiös, rechts und libertär hinaus. Apokalyptische Ideen sieht er als Chance. Er kämpft sogar gegen den Tod, indem er die ↑(opens in a new tab)Longevity-Bewegung [wiki] kapitalintensiv unterstützt."
Thiel hat sein Anfangsvermögen, so wie Musk, mit Paypal gemacht und hat seitdem viele glückliche Investitionen getätigt. Eine seiner Gründungen ist ↑(opens in a new tab)Palantir [wiki], das auf Überwachungssoftware für Regierungen und Behörden spezialisiert ist - hier ebenfalls oft vorgekommen).
Zu Peter Thiel gibt es im Deutschlandfunk eine 6-teilige Podcast-Serie: ↑(opens in a new tab)Die unheimliche Weltanschauung des Superreichen Peter Thiel - gruselig.
Alex Karp
Weil wir gerade bei Palantir sind: Der CEO von Palantir ist ↑(opens in a new tab)Alex Karp [wiki], der, zusammen mit der problematischen Software seines Unternehmen, aber auch anderen problematischen Äußerungen, in den Newslettern auch bereits Thema war.
Seine Philosophie hat Alex Karp 2026 in 22 Thesen in einem ↑(opens in a new tab)Post auf X erklärt (eigentlich eine Werbung für sein Buch ↑(opens in a new tab)The Technological Republic). Der Klappentext des 2025 veröffentlichten Buchs sagt: "dass die Softwareindustrie ihr Engagement für die Bewältigung unserer dringlichsten Herausforderungen, einschließlich des neuen Wettrüstens im Bereich der künstlichen Intelligenz, erneuern muss, damit die USA und ihre Verbündeten ihre globale Vormachtstellung behalten und die Freiheiten bewahren können, die wir für selbstverständlich halten".
Mit den US-Freiheiten ist auch das Recht auf Hassrede gegen andere Kulturen gemeint (von denen einige explizit als minderwertig bezeichnet werden), siehe die lezten beiden Punkte der Thesen. Letztendlich ist das ganze auch viel Eigenwerbung für die Palantir-Produkte, zB für mehr Bürger-Überwachung zwecks Kriminalitätsbekämpfung und mehr AI-Waffen in zukünftigen Kriegen. Auch fordert Karp weniger Inklussion, aber mehr Respekt für Religiosität, siehe auch die ↑(opens in a new tab)bizarren Gebete von US-Verteidigungsminister ↑(opens in a new tab)Pete Hegseth für den ↑(opens in a new tab)Kriegserfolg gegen den Iran.
Hier noch ein Artikel zum Buch von Karp: ↑(opens in a new tab)Die Kriegsrhetorik des Überwachungsgurus.
Sam Altman
↑(opens in a new tab)Sam Altman [wiki] ist (mit ↑(opens in a new tab)kurzen Unterbrechungen [wiki]) Chef von OpenAI und nicht dafür bekannt, belastbare und klare Aussagen in Interviews zu machen (ähnlich belastbar, wie Aussagen von Musk).
OpenAI ist der Entwickler von ChatGPT, dem ersten Sprachmodell, das sich in das Bewusstsein einer breitereren Öfffentlichkeit geprägt hat. Mittlerweile hat ChatGPT immer noch einen hohen Marktanteil, aber Google mit Gemini und andere spezialisierte Angebote (wie Claude mit Claude Code von Anthropic) holen schnell auf.
Die Entwicklung des Deepfake-Generators Sora war einer der finanziellen "Verzweiflungsschritte" von OpenAI, so wie die geplante Einführung von Werbung in ChatGPT. März 2026: OpenAI stellt sowohl Sora wie auch die Entwicklung eines Adult-Modes wieder ein.
Außerdem hat ↑(opens in a new tab)Sam Altman [wiki zu seinen politischen Positionen], als Chef von OpenAI, mittlerweile den Ruf ↑(opens in a new tab)notorischer Unzuverlässigkeit und ist mit dem Rest der Branche heftig zerstritten, die Details im Artikel.
Larry Ellison
In meinem Überblick der US-Tech-Oligarchen hatte ich ↑(opens in a new tab)Larry Ellison [wiki] vergessen. Ellison ist Gründer des führenden Datenbank-Anbieters Oracle und einer der reichsten Menschen der Welt. Ellison steht der Republikanischen Partei und speziell Trump sehr nahe und spendete großzügig für Trump-nahe Politiker. Auf Hawaii gehört ihm die 3.300-Einwohner-Insel ↑(opens in a new tab)Lanai [wiki] inzwischen nahezu komplett. Gegen Ende 2025 hat er seinen Wohnsitz aber nun nach Florida verlegt, 20 Autominuten von Donald Trumps Mar-a-Lago entfernt.
2025 übernahm er (auf Wunsch von Trump) als Teil einer Investorengruppe mehrheitlich das US-Geschäft TikToks. Nun (Februar 2026) steht seine Familie kurz davor, die ↑(opens in a new tab)Kontrolle über CNN zu übernehmen. Netflix zieht sich aus dem Bieterwettstreit um Warner Bros zurück und macht den Weg frei für Paramount. Paramount gehört mehrheitlich dem Ellison-Clan. Sein Sohn David führt das Unternehmen und gilt, genau wie Vater Larry, als enger Verbündeter von Donald Trump. Der Standard ist besorgt: "Die Medienmacht der Milliardäre bedroht immer mehr die US-Demokratie".
Marc Andreessen
↑(opens in a new tab)Marc Andreessen [wiki], der einst den ↑(opens in a new tab)Webbrowser Netscape [wiki] entwickeln lies, ist einer der reichsten Tech-Unternehmer der USA. Er gilt als einer ↑(opens in a new tab)ihrer einflussreichsten Ideologen und zählt heute zu den glühenden Supportern von Donald Trump.
Selbstreflexion, dh über die eigenen Taten nachdenken, sich selbst und sein Handeln hinterfragen, darauf achten, was man mit Worten und Taten bei anderen auslöst, sei ↑(opens in a new tab)kein Thema, mit dem sich herausragende Männer je beschäftigt hätten. Das ist natürlich falsch. Selbstreflexion, das Hinterfragen finden sich schon in der Literatur des Altertums. ↑(opens in a new tab)Elon Musk begrüßt solche Aussagen und meint, Selbstreflexion sei ein "Rezept für Elend".
Konsequenterweise lehnt Andreessen Konzepte wie soziale Gerechtigkeit ab und will technologischen Fortschritt ohne jegliche Einschränkung oder Regulierung. Nachhaltigkeitsfragen kümmern ihn nicht, Fortschritt steht über allen anderen Werten. Siehe sein Manifest, das ↑(opens in a new tab)"Techno-Optimist-Manifesto" aus 2023.
Andreessen ist Verfechter der ↑(opens in a new tab)Eugenik [wiki], die zwischen "lebenswertem" und "weniger wertvollem" Leben unterscheidet: ↑(opens in a new tab)Mark Andreessen’s Dangerous Dorm Room Eugenics.
Er ist Anhänger des ↑(opens in a new tab)Akzelerationismus [wiki] und nimmt theoretische Anleihen auch bei ↑(opens in a new tab)Filippo Tommaso Marinetti [wiki] und seinem Konzept des ↑(opens in a new tab)Futurismus, der zB durch seine Verherrlichung des Krieges als eine der ideologischen Grundlagen für Benito Mussolini gilt.
2. Plattform-Ökonomie
Wie groß die wirtschaftliche Macht dieser Unternehmen ist, das zeigt die Wikipedia hier: ↑(opens in a new tab)List of public corporations by market capitalization.
Ziemllich drastisch finde ich den Vergleich mit früheren Jahren (zB ↑(opens in a new tab)2000, wo in dieser Liste nicht nur IT-Firmen, sondern auch große Handelsunternehmen, staatliche Telefongesellschaften, Ölfirmen und produzierende Industrie zu finden waren). Unternehmen, die selbst Waren produzieren oder verkaufen, sind heute finanziell weit abgeschlagen in der zweiten Reihe. (Andere für sich arbeiten zu lassen ist oft lukrativer als selbst zu arbeiten. 😀)
Eine sehr interessante andere Darstellung der dominierenden Unternehmen liefert der Netzökonom Holger Schmidt. Er sagt, die Macht und hohe Wertschöpfung liegt heute bei sog. ↑(opens in a new tab)"Software-Plattformen".
Schmidt sieht diese Plattformen als das dominierende Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie. Unternehmen der "Plattform-Ökonomie" stellen nicht zwingend eigene Produkte her, sondern sie ermöglichen mit Hilfe ihrer Infrastruktur die Interaktionen zwischen Anbietern und Kunden, dabei verdienen sie jeweils mit.
Beispiele sind zB Airbnb bei der Vermietung fremder Objekte, Booking.com für die Vermittlung von Flugreisen und Hotelzimmern, Amazon als Händler-Plattform, Meta, Tiktok und Google/Youtube als Plattform für Influencer:innen (und der durch sie angelockten Werber), Google/Alphabet mit dem Android Playstore und ↑(opens in a new tab)DoubleClick [wiki] mit seinem Quasi-Monopol für Online-Werbung, Apple mit ihrem App-Store (wo sie kräftig mitschneiden können) und dem 'Verkauf' der iOS-Kunden an Google durch die Voreinstellung von Google als Suchmaschine.
Und in China?
In China wird diese Plattform-Rolle als Hoster von sog. Super-Apps (die wir gar nicht kennen) von Tencent und Alibaba übernommen. WeChat ist so eine Super-App, die auch gleich Zahlungen, Reservierung für Restauranttische und Arzt-Termine übernimmt und dabei mitverdient.
Ebenfalls wichtig in China ist Bytedance. Das Unternehmen betreibt Tiktok (seit neuestem ohne die US-Tiktok-Nutzer) und in China eine rein chinesische Variante) und betreibt damit eine große Plattform für Influencer:innen.
In China sind die großen Firmen natürlich mindestens genauso gut beim Einschleimen bei wichtigen Politikern. Ein abschreckendes Beispiel eines Unternehmers der offenbar 'eingehegt' wurde, ist Jack Ma, der Gründer und langjährige Chef von Alibaba.
Nachdem Jack Ma die Wirtschaftspolitik der chinesischen Staats- und Parteiführung im Oktober 2020 ungewöhnlich scharf kritisierte, trat er für 4 Monate ↑(opens in a new tab)öffentlich nicht mehr in Erscheinung [wiki] und veröffentlichte auch keine Tweets mehr. Insider vermuten, dass der Rückzug auf Druck der kommunistischen Staatsführung erfolgte. Diese Zeit wird auch als ↑(opens in a new tab)Tech-Crackdown [wiki] bezeichnet - Details dazu in der Wikipedia. Mai 2013 gab Ma den Vorstandsvorsitz der Alibaba Group an Lu Zhaoxi ab.
US-Internet-Plattformen und Section 230 des Communications Decency Acts
Während ich an diesem Text arbeite bewirbt Falter-Herausgaber Armin Thurnher sein neues Buch "Unsternstundev der Menschheit", in dem er auf entscheidende Augenblicke in den letzten 80 Jahren hinweist, in denen die Weichen gestellt wurden für den jetzigen Zustand der Welt mit super-super-reichen Tech-Oligarchen und digitalen Medien, die einen guten Teil der Menschen in ihrem verführerischen Bann halten.
Die ↑(opens in a new tab)Section 230 des Communications Decency Act [wiki], unterzeichnet von Bill Clinton in 1996 kann als juristische Basis der heutigen Dominanz der US-Internet-Plattformen betrachtet werden.
In der Section 230 wird geregelt, dass der Betreiber eines Internetangebots (zB die großen Plattformen wie Meta, Google für Youtube, etc.) nicht für die Inhalte ihrer Nutzer haften. Ziel der Regelung war, Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch zu strenge Moderation der Inhalte zu verhindern. Daher wurde den Plattformen Straffreiheit bzgl. der durch Nutzer geposteten Inhalte gewährt. Das Ergebnis müssen nun die weltweiten Social Media-Nutzer durch Verhetzung, Mobbing, Gewalt-Darstellungen, Deepfake-Pornographie, etc. täglich erleiden. Die Details finden sich im Vorabdruck von Armin Thurnhers Buch ↑(opens in a new tab)Eine Unsternstunde der Menschheit (zu lesen über Probe-Abo).
Dieses Gesetz bildet damit auch eine der Grundlagen für die fortschreitende Enshitification des Internets und vor allem den schrecklichen Hass im Netz. Weiter unten geht es darum, wie es unserer Jugend heute geht: Eine Studie zur AI-Nutzung und ein Bericht über ein Entzugsexperiment.
3. LLM und unsere Kommunikation
Immer wieder höre ich jetzt solche Geschichten: Jemand bekommt einen ganz lieben Gruß oder ein Gedicht zur Geburtstagsfeier - der Gruß oder das Gedicht ist so toll, dass der Gedanke aufkommt, das könnte ChatGPT geschrieben haben - und so ist es dann auch oft. Oder dass die Vorstellungstexte in Dating-Apps immer toller, aber auch immer schematischer und aussagelos werden. Oder dass auf eine simple Anfrage eine lange Email-Antwort kommt, die aber eigentlich beim Empfänger nur Zeit stiehlt.
Es passiert da etwas mit unserer Kommunikation. Entweder man findet es toll, dass nun die 'literarische' Qualität unserer Grüße steigt oder man bedauert, dass da eine digital mechanische Komponente die zwischenmenschliche Kommunikation automatisiert - ich neige dazu, diesen 'Fortschritt' zu bedauern.
socialmediawatchblog verweist auf 3 Artikel, die dies zum Thema machen - sie schreiben ↑(opens in a new tab)Lass die Finger von KI, wenn . . . Warum es einen allgemein akzeptierten KI-Knigge braucht. Hier die 3 Artikel, die konkrete Problem-Erlebnisse schildern:
Diese Reibungslosigkeit wird durch generative AI perfektioniert. Ich kann die AI bitten, meine Emails oder Social Media-Anfragen zu beantworten, auch wenn mir eigentlich dazu nichts einfällt. Ich muss mir keine Gedanken über die Person oder die Situation machen, das simuliert die AI für mich. Diese Utopie der „KI“ ist für tante eine Dystopie, nämlich niemals von irgendetwas berührt zu werden.
Das gleiche Problem haben wir auch im Schulunterricht, wenn die Hausaufgaben durch generative AI produziert werden - das ist reibungsfrei, aber ohne die Reibung hinterlässt es auch im Gehirn der Schüler nur begrenzte Spuren.
Diese Reibungsfreiheit ist auch der Schlüssel zum Suchtcharakter der Social Media: keine Notwendigkeit, aktiv eine neue Seite aufzurufen weil 'endless scrollen' kein Ende kennt - keine Notwendigkeit, ein Video aktiv zu starten, weil 'auto-play' das für mich tut - einfach entspannen und berieseln lassen.
Dating mit AI-Unterstützung
Die Geschichte hinter diesem Video: ↑(opens in a new tab)Cluely ad by Chungin “Roy” Lee ist eigenartig. Der Hauptdarsteller, der sich bei dem Date sehr aktiv durch ein AI-System unterstützen lässt, ist einer der Gründer des Unternehmens ↑(opens in a new tab)Cluely [wiki].
Das Unternehmen wurde gegründet, nachdem 2 der Firmengründer von der Columbia University wegen unerlaubter AI-Unterstützung bei einer Prüfung gefeuert wurden.
Sie gründeten Cluely mit dem Slogan: "cheat on everything". Nachdem der Slogan nur begrenzt gut ankam konzentriert sich das Unternehmen nun auf AI-Unterstützung während Business Meetings. Das Video illustriert, wo Cheating noch möglich wäre, zB beim Dating (zum technischen Hintergrund, siehe weiter unten zu Smart Glasses.
Kommentatoren auf Youtube sind verwirrt - macht Chungin “Roy” Lee sich da über sein eigenes Geschäftskonzept lustig? Oder meint er das ernst?
4. ICE + moderne IT-Technologien = Überwachungsdystopie
In den USA wird uns derzeit vorgeführt, was eine skrupellose (staatliche?) Organisation mit Hilfe moderner IT-Technologien und Zugriff auf die, von uns allen im Internet und auf unseren Smartphones reichlich gesammelten Daten erreichen kann.
socialmediawatchblog formuiert ↑(opens in a new tab)"ICE + Palantir = Überwachungsdystopie", ich habe allgemeiner formuliert "ICE + moderne IT-Technologien = Überwachungsdystopie". Denn es ist ja nicht nur Palantir-Software, die in unsere Privatsphäre eindringt.
Bei Palantir (über das ich bereits ausführlich berichtete) und ↑(opens in a new tab)Clearview AI [wiki] wird die Zusammenarbeit mit ICE niemanden überraschen, beide werden von Peter Thiel gestützt. Hier die Auflistung der Software-Unterstützung für ICE (mit Verlinkung auf Quellen):
Ein aktueller Artikel berichtet ausführlich über die Aktivitäten von ICE und die Zusammenarbeit mit Palantir: ↑(opens in a new tab)Musterfall USA: Wie neue Software unser Leben ausspioniert. Es geht um die geplante Software ImmigrationOS „Streamlined End-to-End Immigration Lifecycle” an der Palantir arbeitet. Ziel ist eine automatisierte Verknüpfung von allen diesen gigantischen Datenmengen, die in der obigen Aufzählung beschrieben werden - aber (erst mal) nur gegen Migranten gerichtet. Aber nichts in der Software verhindert, dass es im nächsten Schritt dann gegen "ICE-Gegner" eingesetzt wird (was ja bereits passiert, siehe etwas weiter unten) und dann im nächsten Schritt gegen "MAGA-Feinde". Und auch in Europa wird ja Palantir Software eingesetzt, zB in ↑(opens in a new tab)Bayern und ↑(opens in a new tab)Baden-Württemberg.
Das sieht wie eine ziemlich perfekte Überwachungsgesellschaft aus (sowas kennen wir bisher nur aus China). Ich kann mir aber gut vorstellen, dass einige dieser Punkte auch auf der Wunschliste hiesiger Polizeichefs stehen.
Noch eine aktuelle Ergänzung, die zeigt, mit welchen Mitteln Druck auf die kritischen Teile der Bevölkerung gemacht wird: ↑(opens in a new tab)US-Regierung versucht, Tech-Konzerne zur Identifizierung von ICE- Kritikern zu zwingen. Und zwar versucht sie das ohne richterlichen Beschluss mit Hilfe einer sog. ↑(opens in a new tab)Subpoena [wiki], einer Vorladung, die ohne Richter direkt vom Ministerium für Innere Sicherheit ausgestellt werden kann.
Die Tech-Unternehmen werden aufgefordert, "identifizierende Daten von Social Media-Konten offenzulegen, . . . die ICE kritisiert oder auf die Standorte von ICE-Beamten hingewiesen haben". Subpoenas sind nicht rechtlich bindend, Firmen können entscheiden, wie sie mit den Aufforderungen umgehen. Noch 2017 wehrten sich Konzerne mit Nachdruck gegen derartige Anordnungen.
Laut Informanten hätten Google, Meta und Reddit einige der Anfragen direkt erfüllt. Einige Unternehmen hätten Betroffene informiert und ihnen 10 bis 14 Tage gegeben, um ihren Fall selbst vor Gericht anzufechten. Im September etwa wurde Meta aufgefordert, Menschen hinter Instagram-Accounts, die über ICE-Einsätze in Kalifornien berichteten, zu identifizieren. Das Unternehmen gab den Menschen zehn Tage, um selbst das Verfahren anzufechten. Die ↑(opens in a new tab)ACLU [wiki] ↑(opens in a new tab)zog für die Betroffenen vor Gericht.
Im März 2026 erklärt FBI Director Kash Patel ganz offiziell, dass die ↑(opens in a new tab)Regierung kommerziell verfügbare Daten kauft und systematisch auswertet. Da geht es (auch) um Standortdaten der Smartphones, sehr kritische Daten, die viel über die betroffenen Personen verraten.
Eskalation zwischen den AI-Firmen und der Trump-Regierung
Noch ein Beispiel, wie moderne High-Tech Diktatur funktioniert: ↑(opens in a new tab)Pentagon droht KI-Firma Anthropic mit weitreichenden Sanktionen. Es geht um Claude Code für AI-unterstützte Programmierung. Anthropic will es dem Verteidigungsministerium angeblich nicht gestatten, die KI-Technik für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen oder damit Waffen zu entwickeln, die ohne menschliche Beteiligung töten. Dem Pentagon gefällt das nicht - sie drohen damit, Claude Code grundsätzlich für alle Firmen zu verbieten, die auf Rüstungsaufträge hoffen - das wäre ein schwerer Schlag für Anthropic.
Und weil Anthropic wohl nicht schnell genug nachgegeben hat, ↑(opens in a new tab)droht das Pentagon nun mit dem Defense Production Act – einem Kriegsnotstandsgesetz. Anthropic gibt nicht nach: ↑(opens in a new tab)Trump untersagt Nutzung von Anthropic in Bundesbehörden. Anthropic-Chef Amodei schreibt, der Einsatz von KI zur massenhaften Überwachung eigener Bürger sei mit demokratischen Werten unvereinbar. Zwar sei vieles davon nach geltendem Recht noch legal – aber nur, weil die Gesetzgebung mit den technischen Möglichkeiten noch nicht Schritt gehalten habe.
Der Konflikt eskaliert: Rund 500 Mitarbeiter von OpenAI und Google unterzeichneten einen offenen Brief mit dem Wortlaut "we will not be divided". Beide Unternehmen haben ebenfalls Militärverträge – und könnten bald in vergleichbaren Verhandlungen stehen.
AI-Experte Gary Marcus ist hochbesorgt. Er verweist auf die Unzuverlässlichkeit der AI-Sprachmodelle und ihre Halluzinationen, und dann konkret auf eine Studie, die getestet hat, wie generative AI bei Fragen der nuklearen Kriegsführung argumentiert. Nicht nur Marcus ist beunruhigt: ↑(opens in a new tab)Anthropic’s showdown with The US Department of War may literally be life or death for all of us. Die Zusammenfassung der Studie auf New Scientist: ↑(opens in a new tab)AIs can’t stop recommending nuclear strikes in war game simulations.
Die Solidarisierung hat übrigens nicht lang gehalten, Gary Marcus schreibt: ↑(opens in a new tab)The whole thing was a scam. Parallel zur Solidarisierung unterschrieb OpenAI nämlich einen Vertrag mit dem Pentagon, dh ChatGPT wird bei Kriegsplanungen eingesetzt werden, mit allen Problemen, die das bringen könnte. Und der OpenAI Manager Greg Brockman spendete 25 Mio für Trumps-Aktivitäten. Beim Standard wird dies als ↑(opens in a new tab)moralische Flexibilität kommentiert.
Ergänzung März 2026:
Laut Wall Street Journal nutzte das US-Militärkommando im Krieg gegen den Iran ↑(opens in a new tab)Claude für Geheimdienstanalysen, Zielauswahl und Gefechtsfeldsimulationen. Zwischen dem Trumps Erlass und dem Beginn der Angriffe lagen nur wenige Stunden – zu wenig Zeit für eine realistische Ablösung tief integrierter KI-Systeme.
OpenAI hat sich mit diesem Schritt nicht bei allen Nutzern beliebt gemacht: ↑(opens in a new tab)Boykottkampagne: Deinstallationen von ChatGPT explodieren.
Nachdem sich OpenAI hat zusichern lassen, dass mit ihren Systemen nur gemacht werden darf, was in den USA legal ist, fragt technologyreview: ↑(opens in a new tab)Is the Pentagon allowed to surveil Americans with AI? Die einfache Antwort ist: Ja doch! Da die USA kein Datenschutzgesetz haben wie wir in der EU sind Einschränkungen der Überwachungsrechte nur durch Beschränkungen beim Abhören von Telefonen gegeben. Das Kaufen von kommerziell erhältlichen Bewegungs- und anderen Internet-Daten ist vollkommen uneingeschränkt und die Auswertung mittels generativer AI auch nicht begrenzt. Dh die Beschränkung auf 'legale Aktivitäten' ist witzlos.
5. Meta Smart Glasses sind in den USA ein Verkaufserfolg
Im August 2025 hatte ich gefragt: Kommen nun die smarten Brillen? Damals schrieb ich: "Meta scheint derzeit recht erfolgreich zu verkaufen, nachdem Google, Apple, and Snap in den letzten Jahren alle gescheitert waren. Die neuen Brillen wurden angeblich benutzungsfreundlicher dank generativer AI, weniger klobig, die Verkaufszahlen scheinen erstmalig signifikant zu sein. Dazu ein Verweis auf die lange Geschichte der Smart Glasses spätestens seit 2013.
Der Finanzbericht von ↑(opens in a new tab)EssilorLuxottica [wiki] scheint den Erfolg der Meta Ray-Ban-Brillen zu bestätigen (EssilorLuxottica hat seinen Hauptsitz am Rand von Paris und hatte die Marke ↑(opens in a new tab)Ray-Ban [wiki] 1999 von Bausch & Lomb übernommen).
Ursprünglich gab es Pläne, die AI-Brillen ab Anfang 2026 auch in Europa anzubieten. Der Erfolg von mehr als 7 Millionen Smart Glasses in den USA hat dies aber gestoppt, da die Produktion komplex zu sein scheint und mehr als der (für Meta überraschende) US-Bedarf wohl derzeit nicht produziert werden kann. Außerdem hätte es evt. aus Europa auch einen Aufschrei in Bezug auf Datenschutz gegeben.
Details zur Brille finden sich in der Wikipedia ↑(opens in a new tab)Meta Ray-Ban [wiki]. Das derzeitige Modell hat keine visuelle Ausgabe (kein in die Brille integriertes Display), sondern "nur" 2 Kameras (Foto + Video), 5 Mikrophone und 2 integrierte Lautsprecher, über die die Brille mit dem Träger kommunizieren kann.
Ein Hauptkritikpunkt am Konzept solcher Brillen ist seit 2013, dass so eine Brille relativ unbemerkt Fotos oder Videos aufnehmen kann. Hier die ↑(opens in a new tab)ersten Beispiele von Menschen, die unfreiwillig zu Social Media-Stars werden.
Frühere Smart Glass-Angebote, zB Google Glass ab 2016, haben sich nicht durchsetzen können, es gab deutlichen Widerstand gegen die Träger dieser Brillen. Der scheint diesmal auszubleiben. Warum es nun (in den USA) keinen Aufschrei bzgl. der 7 Mio Brillen gibt, kann ich nicht sagen (obwohl an einzelnen Orten, zB Silicon Valley, die Dichte wohl vergleichsweise hoch sein wird). Als Grund für den jetzigen Erfolg wird oft die einfachere Bedienung durch AI-Sprachbefehle angeführt.
Für 2026 (oder später) ist das Modell Meta Ray-Ban Display geplant, das auch einen integrierten Bildschirm enthalten soll. Die harmloseren Funktionalitäten des Modells mit Bildschirm sollen sein:
- schriftliche Antworten von der AI, zB Schritt-für-Schritt Anleitungen oder Karten für die Navigation, (oder, siehe oben, Konversations-Tipps für Dating)
- Zugriff auf WhatsApp, Instagram
- Video-calls mit Screen-Sharing (der Angerufene sieht, was der Brillenträger sieht) - Influencern wird bestimmt viel dazu einfallen
- Untertitel oder Übersetzungen
- Zoom-Funktionalität für die Kamera
Befürchtet wird, dass diese Brillen mittels Gesichtserkennung Personen im Blickfeld automatisch identifizieren könnten. Dass so etwas grundsätzlich klappt, wurde bereits mit älteren Brillen demonstriert. Die NY Times berichtet, dass Meta sehr wohl konkrete ↑(opens in a new tab)Pläne für Gesichtserkennung hat (hier der ↑(opens in a new tab)Golem-Artikel und ↑(opens in a new tab)heise.de über den NYT-Artikel). Interne Meta-Dokumente sagen, dass Meta auf einen Zeitpunkt wartet, an dem "eine dynamische politische Umgebung" die Aufmerksamkeit von Kritikern bindet und sich diese somit nicht auf Meta konzentrieren würden.
Wie die New York Times berichtet, soll es die neue Funktion den Trägern ermöglichen, Personen zu identifizieren und Information über diese mit Hilfe eines KI-Assistenten abzurufen. Evt. aber zuerst eingeschränkt auf Personen, mit denen der Brillenträger auf einer Meta-Plattform vernetzt ist (Instagram, Whatsapp oder Facebook). Nachdem Meta 2021 eine frühere Version der Gesichtserkennung wegen Datenschutzbedenken einstellen musste, wollen sie nun bei einem zweiten Start vorsichtig sein. Nun sieht Meta aber eine gute Gelegenheit für einen zweiten Start. Ich kann mir gut vorstellen, dass Trump in 2026 eine Situation schafft, bei der die Gesichtserkennung als Problem in der Öffentlichkeit untergeht.
Aktualisierung Feb. 2026:
Eine erste Gegenwehr: die ↑(opens in a new tab)App "Nearby Glasses" "lauscht" auf Bluetooth Signale, die darauf hindeuten, dass im Umkreis von bis zu 3 Metern eine Brille mit einem Smartphone kommuniziert. Allerdings kann es auch zu Fehlalarmen kommen, denn die Signale der Brillen sind nicht ganz eindeutig.
Ergänzungen März 2026:
Zwei schwedische Tageszeitungen haben nun im Umfeld von Datenannotationsfirmen in Kenia recherchiert: ↑(opens in a new tab)Datenarbeiter in Kenia über Meta Smart-Glass-Aufnahmen: „Wir sehen alles”. Datenannotation beschreibt den Vorgang, dass Menschen sich diese Aufnahmen anschauen und für die AI-Systeme verständlich machen, zB Texte, die von der Brille gesehen und von der AI aufbereitet werden, korrigieren. Dabei sehen sie offenbar auch allerlei Intimes. In den USA gibt es ↑(opens in a new tab)erste Klagen von Brillen-Nutzern dagegen.
Ein Journalist der futurezone hat 4 KI-Brillen ausprobiert: ↑(opens in a new tab)5 Gründe warum ich skeptisch bin. Die kurze Zusammenfassung: Die Hersteller wissen noch nicht so genau wissen, was und wohin sie mit dieser Technologie wollen. Die Anwendungsfälle die er ausprobiert hat lassen sich mit einem gewöhnlichen Smartphone besser lösen. socialmediawatchblog bringt eine gute Zusammenfassung der gesamten Brillen-Problematik, sowohl für die Träger der Brillen und für den Rest der Gesellschaft: ↑(opens in a new tab)Meta Ray-Ban: Ein Traum für Meta, ein Albtraum für die Privatsphäre.
Noch eine Episode: Der Einsatz von Smart Glasses vor Gericht: ↑(opens in a new tab)Zeuge erhielt Echtzeit-Anweisungen über Datenbrille. Der Trick flog auf, als irgendwie die Kopplung der Brille mit dem Smartphone ausfiel und im Gerichtssaal eine Stimme aus dem Smartphone zu hören war, die dem Zeugen Anweisungen gab. Die Richterin verwarf die Zeugenaussage.
Warum kommen die Brillen nicht in die EU? Die Brille ↑(opens in a new tab)entspricht nicht den EU-Richtlinien - und das nicht nur wegen KI und Datenschutz. Ab 2027 müssen alle Produkte, die in der EU verkauft werden, einen herausnehmbaren Akku besitzen, Meta möchte das für Brillen "wegverhandeln". Außerdem kommt Meta mit der Produktion eh nicht nach.
Noch ein Punkt, der zwar die Meta-Brillen nicht betrifft, aber Smart Glasses generell: ↑(opens in a new tab)Schummeln per KI-Brille alarmiert Bildungseinrichtungen. Das ist ein Bericht über China, wo (andere Modelle) mit integrierten Display und AI-Anschluss in staatlichen Prüfungen zu einem Problem wurden.
6. Ergänzungen früherer Beiträge
AI-Agenten
AI-Agenten waren hier schon öfters ein Thema. Ich bleibe skeptisch, ob das eine gute Idee ist. Nun haben Stellen in Singapur und Südkorea 3 Agenten gründlich gestestet und sie sind ebenfalls skeptisch.
↑(opens in a new tab)Testing AI Agents for Data Leakage Risks in Realistic Tasks. Die beiden Institute testeten (unabhängig voneinander) 3 AI-Agenten in 11 Szenarien. Bei den Singapurer Testfällen arbeiteten nur 40% der am besten funktionierenden Agenten korrekt und sicher, bei den Tests in Südkorea nur in 8% der Fälle. Die AI-Agenten missverstanden die Aufgabenstellungen, erfanden eigene Aufgabendetails und verkannten, welche Informationen vertraulich sein sollten. Die Details sind oben verlinkt. Zu diesem Thema passt auch gleich der nächste Beitrag.
Schwärme von AI-Bots gefährden die Demokratie
In früheren Ausgaben hatte ich über automatisierte Manipulation im industriellen Maßstab mit Hilfe von AI-Influencern berichtet und über virtuelle Influencer, erzeugt durch AI, die das Unternehmen ↑(opens in a new tab)doublespeed.ai in großer Zahl anbietet, um gezielt und durch gegenseitige Unterstützung Produkte zu bewerben.
Der Guardian befürchtet, dass solche AI-Bot-Schwärme, gut koordiniert und sich gegenseitig unterstützend, auf Social Media extrem gefährlich sein könnten: ↑(opens in a new tab)Experts warn of threat to democracy from ‘AI bot swarms’ infesting social media. Noch ein Beitrag dazu: ↑(opens in a new tab)Swarms of AI bots can sway people’s beliefs – threatening democracy.
AI-Chatbot-Nutzung durch die Jugend
Im vorigen Newsletter zu psychischen Problemen bei der Nutzung von AI-Chatbots habe ich die Links einer Studie zum Thema KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche verlinkt (die Details sind im vorigen Link).
Bedenklich erscheint mir vor allem, dass für eine Reihe von Jugendlichen die Chatbots die Rolle der Bezugspersonen übernehmen. Oft ist die Hemmschwelle bei schwierigen Themen gegenüber den Chatbots geringer als gegenüber 'realen Bezugspersonen'. Die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots macht es leichter, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Die Chatbots wirken oft empathisch und vermitteln scheinbar Verständnis. Ich halte das für keinen guten Trend. Details siehe voriger Link.
3 Wochen Handyverzicht
2025 hatten 69 Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums in Gänserndorf für 21 Tage auf ihr Smartphone verzichtet. Der ORF berichtet nun in einer 1-stündigen Dokumentation: ↑(opens in a new tab)Drei Wochen Handy-Entzug - Das Experiment
21 Jugendliche hatten den Versuch aus verschiedenen Gründen abgebrochen. Nur eine freute sich am Ende wieder auf ihr Smartphone - bei allen anderen: Gemischte Gefühle und Skepsis.
Beobachtet wurden in der wissenschaftlichen Begleitung: Steigerung des psychischen Wohlbefindens bei rund 30% und Reduktion depressiver Symptomatik um ein Drittel. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, die den Versuch durchgehalten haben, entdeckten neue Hobbys und Tätigkeiten für sich, bei einem Viertel hat sich die Bildschirmzeit nachhaltig reduziert.
Im November 2025 erfolgte eine schulweite Fortsetzung des 21-tägigen Experiments. Am "Phone Free November" nahmen rund 500 Jugendliche teil. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, aber man weiß bereits, dass das Experiment auch Auswirkungen auf die Kontrollgruppe hatte. Auch jene Schülerinnen und Schüler, die sich nicht zu einem Smartphoneverzicht verpflichteten, meldeten einen Rückgang der Verwendung.
Im März erfolgt der erste internationale Durchlauf. Schon 2000 Lehrkräfte aus Österreich, aber auch aus Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein und Südtirol haben sich angemeldet. Ende des Monats, kurz vor Beginn des Experiments, startet die erste wissenschaftliche Befragung. Ab 4. März werden dann die Smartphones weggelegt.
Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden allerdings nicht komplett von der digitalen Welt abgeschnitten. Sie dürfen Tastenhandys, Laptops und Tablets nutzen. Die Erfahrung aus dem Konrad-Lorenz-Gymnasium zeigt allerdings, dass zwar viele zu den einfachen Mobiltelefonen greifen, die Social Networks und Kurzvideoplattformen aber am Notebook oder Tablet kaum verwendet werden.
Der Standard berichtete ausführlich: ↑(opens in a new tab)21 Tage ohne Smartphone: "Es ist ein Wahnsinn, unter welchem Druck diese jungen Leute stehen". Siehe auch mein früherer Beitrag: Macht Social Media süchtig?
Erweiterung Feb. 2026:
Ab Mittwoch verzichten mehr als 62.000 Schülerinnen und Schüler ab der fünften Schulstufe für ↑(opens in a new tab)drei Wochen auf ihr Smartphone. Hier ein Interview mit dem Initiator über die bisherigen Ergebnisse und wie es weiter geht. Diesmal gibt es auch eine Light-Variante mit reduzierter Nutzung.