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Dies ist einer der Artikel aus einer Serie von Sicherheitstipps. Hier die Links zu den Themen:

 

Sicherheit unter Windows 2000 und Unix Betriebssystemen

Möglichkeiten und Grenzen auf Betriebssystemebene

Autor: Michael Krausz, C.I.S.-Auditor, Wien

Version 30.7.2003

Windows 2000

UNIX-Systeme

Betrachtet man die Fragen der Informationssicherheit quasi „von oben“, d.h. aus der gesamtheitlichen Perspektive, so erkennt man leicht, dass funktionell betrachtet, sich alle Fragen der Informationssicherheit, einer von vier technisch/organisatorischen Ebenen zuordnen lassen. Diese Ebenen sind:

  • die der physikalischen Netzwerkkomponenten bis zum Layer 3 des OSI-Modells (also inklusive, Hubs, Switches, Routern und Firewalls)
  • die der eingesetzten Netzwerkbetriebssysteme
  • die der netzweit eingesetzten Applikationen wie beispielsweise ERP-Systeme
  • die der organisatorischen Vorgaben, die in Form von ISO 9001 oder ISO 17799 kompatiblen Prozeduren existieren.

In diesem Artikel wollen wir die Ebene der Netzwerkbetriebssysteme näher betrachten, da diese quasi das Rückgrat moderner Netzwerkinfrastrukturen bilden und diese oft das eigentliche Ziel von Angreifern bildet.

Grundsätzlich sind alle folgenden Überlegungen von der Größe des Netzwerks völlig unabhängig, implementierte Schutzmaßnahmen sind vom Grad des benötigten Schutzes abhängig, nicht von der Größe des zu Grunde liegenden Netzwerkes. Als Beispiel sei eine kleine Rechtsanwaltskanzlei mit einem Anwalt, einem Assistenten und einer Sekretärin erwähnt. Obwohl es sich also in Summe „nur“ um drei PCs handelt, so sind die grundsätzlichen Anforderungen an die Informationssicherheit jedenfalls als „hoch“ einzustufen. Daraus ergibt sich nun, dass, sofern dieses Netzwerk unter Windows 2000 betrieben wird, eine Domäne eingesetzt werden sollte und keine Arbeitsgruppe, da die Angriffsmöglichkeiten an eine Arbeitsgruppe um ein vielfaches höher sind als die an eine Domäne.

Dies widerspricht nun den Leitlinien von Microsoft, die den Einsatz einer Domäne erst ab 10 PCs vorsehen, da wir in diesem Artikel aber die Anforderungen der Informationssicherheit höherwertig reihen, wäre der entstandene Widerspruch zugunsten der Informationssicherheit zu entscheiden. Für den Anwalt in unserem Beispiel, dies sei ausdrücklich betont, ergeben sich praktisch betrachtet keine Nachteile durch den Einsatz einer Domäne, weder in Hinblick auf Performance noch in Hinblick auf das Management der Systeme. Empfehlenswert wäre jedoch die Anschaffung eines separaten Servers, der zur zentralen Datenspeicherung dienen soll und damit sowohl die Datensicherung wie auch die Vergabe von Rechten wesentlich erleichtert. Dieser Server würde in einer Arbeitsgruppe vermutlich nicht verwendet werden.

Das umgekehrte Beispiel eines großen Netzes mit niedrigen Sicherheitsanforderungen ist ebenfalls denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, da bei großen Netzen die Managementvorteile einer Windows 2000 Domäne sehr stark zum Tragen kommen. Vor allem Software-Entwickler und andere Gruppen, die es gewohnt sind, hochkooperativ zu arbeiten, wären jedoch denkbare Anwendungsfälle, in denen auf zentralisierte Rechteverwaltung zugunsten leichterer Kooperation unter den einzelnen verzichtet wird. Praktisch betrachtet bewähren sich solche Konstruktionen jedoch kaum, da der entstehende Wildwuchs aus Sicht der Rechteverwaltung zwar noch erträglich sein mag, nicht jedoch aus Sicht der Datensicherung, die vor unlösbare Probleme gestellt werden würde, wenn statt eines zentralen Servers (oder mehrerer) plötzlich eine Unzahl von Client-PCs gesichert werden müssten.

Wenden wir uns nun den technischen Eigenschaften zu, mit denen unter Windows 2000 bzw. Unix die grundlegende Informationssicherheit erhöht werden kann. Wir beschränken uns hierbei, nur der Länge – oder besser – Prägnanz wegen auf die wesentlichen, oft unterschätzten Aspekte.

Windows 2000

(1) Auf Kompatibilität verzichten

Windows 2000 unterstützt einen Mechanismus, die sog. Server-Client Authentifizierung, mit der sowohl Server als auch Client feststellen können, dass der jeweils andere auch entsprechend zum Zugriff berechtigt ist. Dieser Mechanismus wird vom Administrator konfiguriert und operiert ohne jede Intervention des Benutzers. Er kann allerdings in einem gemischten Windows 2000/Windows NT 4.0 Netzwerk nicht verwendet werden, da er von Windows NT 4.0 Geräten nicht unterstützt wird.

Eine ähnliche Situation existiert im Bereich der Passwörter. Windows NT 4.0 Passwörter konnten zwar 14 Zeichen lang sein, waren jedoch aus Kompatibilitätsgründen mit dem DOS-Lanmanager in zwei Blöcke zu je 7 Zeichen geteilt. Dadurch wurde die Sicherheit des Passwortes wesentlich verringert, denn statt eines Zeichenraums von 6214 Kombinationen, musste ein Angreifer nur 2x627 Kombinationen durchprobieren, um ein Passwort erraten zu können. (Die Zahl 62 stammt aus der Anzahl der Großbuchstaben, Kleinbuchstaben und Ziffern, sie könnte noch erhöht werden, wenn man auch Sonderzeichen berücksichtigt.)

Unter Windows 2000 wurde diese Schwachstelle nun insofern beseitigt, als dass die Rückwärtskompatibilität ein- oder ausgeschaltet werden kann. Wiederum ist es vom Standpunkt der Informationssicherheit empfehlenswert, im Falle einer Migration auf diese Rückwärtskompatibilität zu verzichten und nur Windows 2000 „native“ Komponenten und Dienste einzusetzen.

(2) Domänen statt Arbeitsgruppen

Unabhängig von der Größe des Netzes ist es empfehlenswert zentralisierte Architekturen einzusetzen, da in diesen die Vergabe (und auch der Entzug!) und die Überwachung von Rechten wesentlich leichter bewerkstelligt werden kann, als in dezentralen Architekturen. Zentrales Logging stellt sicher, dass der Sicherheitsadministrator jederzeit einen qualitativ hochwertigen Überblick über die Lage des Netzwerks hat.

(3) Gruppenrichtlinien einsetzen

Gruppenrichtlinien bieten dem Administrator unter Windows 2000 die Möglichkeit, alle besonderen Rechte, die ein Benutzer haben kann (wie z.B. schon allein das Stellen der Uhrzeit auf einem lokalen Rechner), nach Benutzergruppen zu verwalten und damit ein Windows 2000 Netzwerk so beliebig dicht wie möglich zu machen. Mit Hilfe der über 100 verschiedenen Einstellungen lässt sich das den Benutzern Erlaubte und Verbotene so feingliedrig regeln, dass auch subtile Anforderungen erfüllt werden können.

(4) Eingebaute Firewalls nutzen

Sofern die betriebenen Windows 2000 Server leistungsgerecht ausgelegt sind, ist es empfehlenswert die in Windows 2000 inkludierten Firewallfunktionalitäten zu nutzen. Dadurch kann im Inneren des Netzes am Server selbst der erlaubte bzw. verbotene Netzwerkverkehr weiter reglementiert werden und damit das System vor nicht autorisierten Zugriffen geschützt werden. Selbstverständlich sollte diese Möglichkeit nicht anstatt einer zentralen Firewall verwendet werden, sonder zusätzlich, da dadurch ein zweistufiger Schutz realisiert werden kann.

UNIX

Alle folgenden Ausführungen gelten unabhängig von der konkreten UNIX-Implementierung und können auf allen gängigen UNIX/LINUX-Systemen angewandt werden.

(1) Zentralisierte Benutzerverwaltung

Besonders unter Unix, das prinzipiell nicht zentral, sonder dezentral ausgelegt ist, sollte in mittleren oder sicherheitssensiblen Netzen, die Benutzerverwaltung zentralisiert werden, um zu verhindern, dass einerseits böswillige Angestellte oder unentdeckte Hacker auf einem System einen Benutzeraccount als Hintertür zurücklassen. Diese Funktionalität lässt sich leider nur mit Zusatzprodukten von Drittanbietern implementieren, da die eingebauten Methoden technisch nicht ausreichend sind.

Konkret ist davon abzuraten, auf allen Systemen das selbe Passwort für den Benutzer „root“ zu verwenden, sofern eine Zentralisierung der Benutzerverwaltung nicht möglich ist.

(2) Kernel-Firewalling

Alle modernen UNIX Systeme verfügen über Kernel-Firewalling, mit dem – wie oben für Windows 2000 ausgeführt – der Datenverkehr, der von einem bestimmten Rechner akzeptiert wird, reglementiert werden kann. Für als Server eingesetzte Systeme sollte diese Funktionalität in jedem Fall als zusätzliches Sicherheitsmerkmal benutzt werden.

(3) Zentrales Logging und Auswertung

Gerade unter Unix mit seiner dezentralen Struktur spielt zentrales Logging eine wichtige Rolle, um sicherstellen zu können, dass mit Hilfe geeigneter Analyseprodukte, die Sicherheitssituation des Netzes festgestellt werden kann und Hacker rechtzeitig entdeckt werden. Der Einsatz von zusätzlicher Software ist notwendig, da die meisten UNIX-Distributionen keine besonderen Analysemethoden zur Verfügung stellen, um große Logdateien auch effizient nach sicherheitsrelevanten Ereignissen durchforsten zu können.

(4) Lokale Dateisystemintegrität

Um sicherzustellen, dass Dateien (vor allem Systemdateien) nicht verändert wurden, sei es von externen oder internen Crackern, ist es unter Unix sehr leicht möglich, Programme zu installieren, die die Integrität beliebiger Verzeichnisse oder einzelner Dateien sicherstellen können. Gerade unter UNIX ist es bei Crackern eine beliebte Methode, Systemdateien durch manipulierte Versionen zu ersetzen, die dann als Hintertüre zum System dienen können.

In einem dem Autor bekannten Fall hat ein Cracker in einem Schwung über 100.000 Dateien auf einem System ausgetauscht, mit denen insgesamt 15 verschiedene Hintertüren geöffnet wurden.

Die Verwendung von Programmen zur Wahrung der Dateiintegrität kann solches Verhalten in Echtzeit feststellen und den Administrator entsprechend alarmieren.

(5) Eigene Benutzer für wichtige Dienste

Keinesfalls sollte man auf einem UNIX System alle ständig laufenden Dienste einfach unter dem Benutzer „root“ laufen lassen, da dadurch das gesamte System kompromittiert wird, falls ein Dienst eine ausbeutbare Schwachstelle aufweist.

Es hat sich in der Praxis bewährt, für jeden wichtigen Dienst einen eigenen Account einzurichten, wodurch der Zugriff auf das Dateisystem entsprechend eingeschränkt wird und bleibt. Bei manchen Programmen, wie z.B. manchen Mail-Servern, ist dies jedoch nicht möglich, da diese den Zugriff als Benutzer „root“ benötigten, um funktionieren zu können.

Es wird jedoch die Informationssicherheit des betroffenen Systems stark angehoben, wenn nach detaillierter Analyse der laufenden Dienste, diejenigen, die den Zugriff als Benutzer „root“ nicht unbedingt benötigen, unter eigenen Benutzeraccounts betrieben werden.

Die hier vorgestellten Methoden können leider keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da eine genauere Abhandlung ein gesamtes Buch über operatives Sicherheitsmanagement füllen würde. Wir hoffen jedoch, Ihnen wichtige Anhaltspunkte für Ihre eigenen Konfigurationen gegeben zu haben.

 

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